Terror gegen Israel: Hinter der Hamas steckt der Iran

Die Hamas feuert tausende Raketen auf israelische Städte – in der Absicht, wahllos Zivilisten zu töten und das ganze Land in Angst und Schrecken zu versetzen. Das sind horrende Kriegsverbrechen – mehr noch, es ist die terroristische Manifestation des antisemitischen Vernichtungswillens, der den Glutkern der Hamas-Ideologie und den Daseinszweck dieser mörderischen islamistischen Organisation ausmacht.

Doch so schrecklich dieses Terrorbombardement für die Menschen in Israel ist – militärisch gesehen stellt es für sich genommen keine existenzielle Bedrohung des jüdischen Staats dar. Es dient der Hamas vielmehr eher zu einem propagandistischen Zweck: sich als einzigen wahren Beschützer der Palästinenser zu inszenieren. Sie nutzt dabei die verstärkten innerisraelischen Spannungen zwischen jüdischen und arabisch-muslimischen Bürgern ebenso aus wie das Vakuum, das bei dem militanten palästinensischen Nationalismus durch die (von Saudi-Arabien gutgeheißenen) Friedensvereinbarungen Israels mit den Vereinigten Arabischen Emiraten und Bahrain sowie durch die Annäherung an Marokko und Sudan entstanden ist. Mögen die arabischen Mächte euch auch verraten und vergessen haben, lautet die Botschaft der Hamas an die militanten Palästinenser: Wir garantieren, dass der totale Krieg gegen Israel mit verdoppelter Kraft fortgesetzt wird.

Vom strategischen Standpunkt betrachtet weit gravierender als der Raketenterror der Hamas ist indes eine Tatsache, die in der Berichterstattung und Diskussion über den jüngsten Gewaltausbruch im Nahen Osten kaum Erwähnung findet: Die Aktionen der Hamas sind Teil der Gesamtstrategie jener Macht, die hinter der palästinensischen Terrororganisation steht und sie steuert: der Islamischen Republik Iran, deren oberstes Ziel nach eigener Bekundung die Vernichtung Israels ist. Direkt oder über seinen arabischen Verbündeten Katar sorgt Teheran dafür, dass die Kampfkraft und finanzielle Kapazität der Hamas nicht nachlässt. Zumindest politisch stärkt ihr auch Erdogans Türkei den Rücken. Indirekt, wenn auch mit eigenen Motiven, reiht sich Ankara damit in die Front der eliminatorischen Israelfeinde ein.

Teheran nicht länger hofieren!

Es ist geradezu makaber, dass, während Teherans Hilfstruppen israelische Bürger bombardieren, die internationalen Gespräche über die iranische Nuklearaufrüstung in Wien ungerührt fortgesetzt werden sollen. Dort wollen die Europäer dem Iran mit dem Angebot aller möglichen Hilfen und Vergünstigungen die Rückkehr zu den Bestimmungen des Atomabkommens von 2015 schmackhaft machen, die das Regime in Teheran inzwischen vollständig missachtet. Sie setzen damit den Fehler fort, der bereits dem damaligen Abkommens als Kerndefekt eingeschrieben wurde und im Resultat zu seinem Scheitern geführt hat: die aggressive iranische Expansionspolitik aus den Verhandlungen auszuklammern. Damals wie heute betrachtet das Regime dies als Ermutigung dazu, seinen Aggressionskurs immer weiter zu verschärfen.

Die Quelle des Terrors gegen Israel ebenso wie die aktuelle Hauptquelle der Instabilität des Nahen Ostens im Ganzen ist das islamistische Regime im Iran. Statt es zu hofieren, muss der Westen endlich gemeinsam alle Kräfte darauf konzentrieren, den Aggressionsdrang Teherans zu brechen und die Hegemonialbestrebungen der Islamischen Republik dauerhaft einzudämmen. Sonst gibt es für Israel keine dauerhafte Sicherheit – und der Nahe Osten steuert auf längere Sicht auf einen großen, die gesamte Region verheerenden Krieg zu.

Über den Autor

Richard Herzinger

Dr. Richard Herzinger, geboren 1955 in Frankfurt am Main, lebt und arbeitet als Publizist in Berlin. Als Autor, Redakteur und politischer Korrespondent war er für "Die Zeit", den Berliner "Tagesspiegel", die Züricher "Weltwoche" und zuletzt fast 15 Jahre lang für "Die Welt" und "Welt am Sonntag" tätig. Bereits vor 25 Jahren warnte er in seinem gemeinsam mit Hannes Stein verfassten Buch "Endzeitpropheten oder die Offensive der Antiwestler" vor dem Wiederaufstieg autoritärer und totalitärer Mächte und Ideologien. Er schreibt für zahlreiche deutsche und internationale Zeitungen und Zeitschriften, unter anderem eine zweiwöchentliche Kolumne für das ukrainische Magazin Український Тиждень (Ukrainische Woche; tyzhden.ua).

1 Kommentar

  • Wir schauen zu sehr auf uns und sehen nicht den Elefant im Porzellanladen. Die Unheilige Allianz aus dem Iran, Russland, Hamas und Assad beherrscht die Region. Allianzen bilden sich, wenn sie gemeinsame Interessen verfolgen, in diesem Falle gegen Israel. Daneben geht es noch um einen Konflikt innerhalb der islamischen Welt. Man schlägt sich dort im Namen Allahs die Köpfe ein (siehe Jemen). Dort sind die meisten Opfer zu beklagen In vielerlei Hinsicht ähnelt sie Szenerie der des Dreissigjährigen Krieges. Israel als Feind dient hier der Legitimation im Ringen um die Vorherrschaft. Lösen lässt sich der Konflikt am Ehesten indem man gezielt die Kräfte fördert, die nicht nach Krieg, sondern nach Frieden schreien. Diese Stimmen haben einen schlechten Stand, wenn die Gefahr unmittelbar ist, denn wenn Israel mit Raketen angegriffen wird, macht es keine Sinn nicht zu reagieren, wenn man die eigene Existenz nicht aufs Spiel setzen möchte. Wenn Israel ein starkes Signal aussenden wollte, könnte es offensiv demonstrieren, dass Araber in Israel besser als in irgendeinem anderen arabischen und insbesondere den Ländern leben, die Israel mit Vernichtung drohen. Dem stehen wiederum jüdische Ultras gegenüber, deren Staatsverständnis durch eine Prärogative der jüdischen Religion geprägt ist. Der Kampf der Laizisten gegen die Religiösen bestimmt das politische Geschehen innerhalb Israels. Was sie vereint ist der Kampf gegen die Bedrohung von Aussen. Was sie trennt ist die Vorstellung von der zukünftigen Gestalt Israels. Radikale Kräfte haben hier immer ein sehr viel leichteres Spiel als die Vernunft.

Richard Herzinger

Dr. Richard Herzinger, geboren 1955 in Frankfurt am Main, lebt und arbeitet als Publizist in Berlin. Als Autor, Redakteur und politischer Korrespondent war er für "Die Zeit", den Berliner "Tagesspiegel", die Züricher "Weltwoche" und zuletzt fast 15 Jahre lang für "Die Welt" und "Welt am Sonntag" tätig. Bereits vor 25 Jahren warnte er in seinem gemeinsam mit Hannes Stein verfassten Buch "Endzeitpropheten oder die Offensive der Antiwestler" vor dem Wiederaufstieg autoritärer und totalitärer Mächte und Ideologien. Er schreibt für zahlreiche deutsche und internationale Zeitungen und Zeitschriften, unter anderem eine zweiwöchentliche Kolumne für das ukrainische Magazin Український Тиждень (Ukrainische Woche; tyzhden.ua).

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